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Frau
Dr. Dorit Feddersen-Petersen 25.1.03

c/o Hamburger Tierschutzverein

Sehr geehrte Frau Kollegin,


kürzlich konnte ich Ihre "Replik auf einen unfairen Angriff" unter
www.hamburger-tierschutzverein.de/top_aktuell/replik.htm
zur Kenntnis nehmen.

Sie beziehen sich auf einen Artikel der Hamburger Morgenpost, in welchem ich zitiert werde und u.a. den "Wesenstest" als den allergrößten Mist bezeichnet habe.
Es scheint mir, dass Sie Vieles von dem, was ich öffentlich gesagt und geschrieben habe, überhaupt nicht verstanden haben.

Mit der Einführung der unsäglichen Hamburger Hundeverordnung durch die SPD/Grüne- Administration war ganz plötzlich ein "Wesenstest" da - oh welch´ Wunder!
Ich wiederhole, dass der Wesenstest in Hamburg - und nun erlaube ich mich einzuschränken - in den Händen derer, die ganz bestimmte Hunde mit großen Köpfen und kurzen Haaren von den Strassen haben wollten, nicht nur der allergrößte Mist ist, sondern eine Feigenblattfunktion für die Verwaltungsmaschinerie Hamburgs erfüllt(e), um die Besitzer dieser Tiere einzuschüchtern, Ihnen die Rechtmäßigkeit der Wegnahme vorzugaukeln, sie mit unanständig hohen geradezu erpresserischen Steuern zu belasten.

Es ist schön zu hören, dass Sie sich als Tierärztin auch zu den entschiedenen Gegnern dieser "Hundeverordnung" zählen.
Wer glauben Sie, sind die Initiatoren und die Durchsetzter der Hamburger Hundeverordnung? Es sind Tierärzte in Hamburg, die in den Diensten der Verwaltung stehen, also Amtstierärzte. Ohne deren Zutun wäre aus der Verordnung der Runde-Administration zum Nachteil hunderter Hundebesitzer nichts geworden.

Es war natürlich klar, dass es heute ebenso wie in der fürchterlichen Vergangenheit unseres Landes Akademiker gibt, die die hirnlosen und empörend ungerechten Einfälle gewissenloser karrieresüchtiger Politiker servil in die Tat umsetzen. An die NS-Ärzte oder die NS-Juristen muss ich Sie ja wohl nicht erinnern. Ziemlich sicher gab es auch vor cirka 60 Jahren NS-Tierärzte.
Und daher kommen natürlich auch die Worte Bert Brechts: "Speichellecker der Mächtigen" oder "willfähriges Gesindel" . Es handelt sich also nicht um "verbale Entgleisungen", gemünzt auf meine Person, sondern um Literatur und Geschichte.

Natürlich habe ich Sie, sehr geehrte Frau Kollegin, mit meinen Äußerungen der Empörung nicht im Visier gehabt. Es wurde mir nämlich nicht zur Kenntnis gebracht, dass Sie es waren, die temingerecht den Mächtigen dieser Stadt den "Wesenstest" abgeliefert haben.

Ihre polemischen Angriffe auf meine Person verzeihe ich Ihnen, denn sie sind als Zeichen der persönlichen Verletzung zu werten und völlig unsachlich. Was ich Ihnen nicht verzeihe ist, dass Sie Ihren Wesenstest denen zur Verfügung stellten, die damit unsägliches Unrecht begingen und begehen und denen, die damit in Goldgräberstimmung "richtig Kohle" machten und machen und damit unzählige Menschen regelrecht ausplünderten.
Sie sagen ja selbst, dass Ihr Wesenstest nicht wissenschaftlich ist und Herr Poggendorf äußerte sich mir gegenüber, dass "der Wesenstest ja auch mal gerade bis zur nächsten Ampel reicht".

Es ist also tatsächlich so, dass seitens der Hamburger Administration mit einem unwissenschaftlichen Wesentest herumgefuhrwerkt wurde und wird.... Ich danke Ihnen für die deutlichen Worte.

Die Entwicklung Ihres Wesenstestes ist sicherlich irgendwie gut gemeint. Aber bekannt ist, dass "gut gemeint" ganz häufig "voll daneben" ist, jedenfalls dann, wenn Ihr Wesenstest von Behörden und deren angeheuerten Trupps dazu missbraucht wird, um Bürgern dieser Stadt ihre Hunde wegzunehmen.

In einem Tierheim selbst mag ein Wesenstest eine gewisse Güte erreichen, um den interessierten Menschen etwas über das Objekt ihrer Begierde sagen zu können- dagegen kann man nichts haben - auch dagegen nicht, dass der Hamburger Tierschutzverein etliche Hunde mit Ihrem Wesenstest vor dem tödlichen Zugriff der Behörde bewahrte. Hunderte Tiere wurden durch Ihren Wesentest jedoch nicht gerettet. (Wesenstest "nicht bestanden", was das auch immer heißen mag).
Allerdings, und das erlaube ich mir zu betonen, sind die persönlichen Erfahrungen der vielen fleißigen und engagierten Tierpfleger auch im Hamburger Tierschutzverein sicherlich mehr wert als ein Wesenstest, der in wenigen Stunden abzuarbeiten ist.
Nebenbei darf ich Ihnen versichern, dass meine Hunde Ihren Wesenstest nur mit einer Schlaftablette überstanden hätten und ich verwahre mich gegen dieses unwissenschaftliche Getue, wenn es um die verantwortliche Einschätzung der Hunde geht, die von engagierten Hundeführern auf den Plätzen der diversen Hundevereine erzogen werden ( siehe S.V., diverse Rottweiler- und Boxer-Vereine,
Terrier-Vereine und viele andere).

Sehr geehrte Frau Kollegin, wie Sie lesen können, gibt es zu Ihrer "Replik" viel zu sagen.
Aber ich habe auf diesem Wege auch zwei Fragen an Sie und ich wäre froh, wenn Sie sie beantworten würden:

1. Wie gelangte Ihr Wesentest in die Hände der Administration? Haben Sie ihn dorthin verkauft oder dort angedient?
Wie ist es zu erklären, dass just bei der Einführung der Hamburger Hundeverordnung Ihr Wesenstest im Zusammenhang mit diesem üblen Machwerk zur Verfügung stand?

2. In dem Buch "Die Grosse Kampfhundlüge" (Kynos Verlag) Erste Auflage, bezeichnen Sie sich mit dem Artikel "Warum ich mir als nächsten Hund einen Bull Terrier wünsche" als " Die Grand Young Lady der Hundeverhaltenskunde in Deutschland". Sie haben den Kynos Verlag mit juristischen Mitteln gezwungen, diese erste Ausgabe nicht erscheinen zu lassen. Warum?

Schlussendlich erlaube ich mir folgende Bemerkung:

Es ist nicht meine Absicht, über Ihre beruflichen "Patente" zu werten, wenn damit nicht unsägliches Unrecht zynisch in Recht umgemurkst wird. In den Händen einer karriereorientierten, rücksichtlosen Polit - Mafia kann Ihr Wesenstest jedoch eine Waffe sein, die durchaus mit Sprenggürteln von Terroristen zu vergleichen ist - nicht zu verantworten und inhuman - einfach ekelhaft.

Aber viel schlimmer noch und nicht entschuldbar ist sein Neben-Negativ-Effekt auf die Glaubwürdigkeit unserer Demokratie.
Die Verzweiflung hunderter Hundehalter, deren Tiere mit Hilfe Ihres Wesentestes verschwanden, ist ein Stigma des Zustandes unserer Gesellschaft.
Falls Sie darüber mehr wissen möchten, lesen Sie das Buch "Deterring Democracy" von Noam Chomsky. Vielleicht verstehen Sie dann den Zusammenhang von "Gut Gemeintem" und den Korrosionserscheinungen unserer Gesellschaft, deren augenfälligstes Merkmal der Hamburger Innensenator Ronald Schill ist.

Mit freundlichem Gruß,

Tierärztliches Institut für angewandte Kleintiermedizin
Tierärztliche Gemeinschaft für ambulante und klinische Therapien
Dirk Schrader I dr. Steven-F. Schrader I dr. Ifat Meshulam I Rudolf-Philipp Schrader I dr. Itamar Tsur
-Tierärzte-

www.tieraerzte-hamburg.com


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